Charles de Gaulle - Rede 1962

 

Charles de Gaulle

Charles De Gaulle war einer der bedeutendsten französischen Politiker des 20. Jahrhunderts. Warum? Während des zweiten Weltkriegs gilt er als Seele des Widerstands gegen Hitler-Deutschland. Als erster Ministerpräsident Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg erwirkt er eine Lösung des Algerienkonfliktes - aber für Deutschland am bedeutendsten ist die Rolle, die er in der deutsch-französischen Aussöhnung spielt.

Seine Charmeoffensiven bei seinem Deutschlandbesuch 1962 bereiteten den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag vor, den er am 22. Januar 1963 mit Kanzler Adenauer schloss.

Lebenslauf

Charles de Gaulle als General
Foto: Office of War Information / LC-USW3

1890:             Am 22. November wird Charles André Joseph Marie de Gaulle als Sohn von Henri und Jeanne Maillot de Gaulle geboren.

1912:             Abschluss an der Elite-Militärschule für französische Offiziere Saint-Cyr. De Gaulle wird der Infanterie zugewiesen und steigt bald darauf zum Leutnant auf.

1914-1918:   Zu Beginn des Ersten Weltkrieges Beförderung zum Hauptmann. Im Kriegsverlauf wird de Gaulle mehrmals verwundet und gerät nach der Schlacht von Verdun im März 1916 in deutsche Kriegsgefangenschaft, wo er die deutsche Sprache erlernt. Nach Kriegsende im November 1918 verfolgt de Gaulle seine militärische Karriere weiter.

 

1921:             Heirat mit Yvonne Vendroux. Aus der Ehe gehen die Kinder Philipe (*1921), Elisabeth (*1925) und Anne (*1928) hervor. Die jüngste Tochter Anne verstirbt bereits 1948.

1921-1930:   Während des polnisch-sowjetischen Krieges 1920 Arbeit unter anderem. als Infanterieausbilder der polnischen Armee. Zwischen 1922 und 1925 arbeitet de Gaulle als Dozent an der Ecole de guerre (Kriegsschule), bevor er 1925 in den persönlichen Stab von Marschall Philippe Pétain berufen wird. Zwischenzeitlich auch Aufenthalte in Deutschland (1924 und 1927).

 

1931-1939:   Arbeit im Generalsekretariat des nationalen Verteidigungsrates (1931) und Aufstieg zum Oberst (1937). Veröffentlichung mehrerer militärisch-philosophischer Schriften, darunter Vers l’Armée de Métier (1934). Darin fordert de Gaulle auf Grundlage einer professionellen Berufsarmee vor allem den verstärkten Einsatz von Panzern und eine  höhere Mobilität der Streitkräfte. Im Gegensatz zu Deutschland stößt er mit seinem Buch in Frankreich zumeist auf Ablehnung.

                                                                                                          

Charles de Gaulle vor dem Arc de Triomphe
Foto: Lunakh (Own work) / CC-BY-SA-3.0

1939:             Mit dem deutschen Überfall auf Polen bricht am 1. September der Zweite Weltkrieg aus, Frankreich erklärt Deutschland zwei Tage später den Krieg. Mit Kriegsausbruch wird de Gaulle Kommandant einer Panzerdivision.

1940:             Weiterer Aufstieg zum Brigadegeneral. Nachdem absehbar ist, dass die neue französische Staatsspitze um Marschall Philippe Pétain den Waffenstillstand mit den Nationalsozialisten sucht, flieht de Gaulle – Gegner der Politik Pétains - am 17. Juni ins Exil nach London.
In einem Appell über den britischen Rundfunksender BBC am 18. Juni ruft de Gaulle alle Franzosen zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer auf.

1940-1944:   Mitbegründer des Comité Français de Libération Nationale (Nationales Befreiungskomitee, 1943) und Chef der Forces français libres (Freie Französische Streitkräfte, FFL, 1940). Die Vichy-Regierung unter Marschall Pétain verurteilt de Gaulle im August 1940 wegen Hochverrats zum Tode.

1945:             De Gaulle kämpft weiter gegen die Nationalsozialisten und befreit schließlich seine besetzte Heimat. Der inzwischen zum General beförderte Franzose wird zum Nationalhelden und im November 1945 zum Vorsitzenden der Provisorischen Regierung Frankreichs gewählt.

1946:             Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten am 20. Januar, da de Gaulle die geplante Verfassung der Vierten Französischen Republik ablehnt.

1947-1953:   Um seine Vorstellungen einer neuen Verfassung, die unter anderem eine stärkere Stellung des Staatspräsidenten vorsah, durchzusetzen, gründet de Gaulle im April 1947 die politische Bewegung Rassemblement du Peuple Français (Sammlungsbewegung des französischen Volkes, RPF). Er scheitert und zieht sich 1953 auf seinen Privatwohnsitz nach Colombey-les-Deux-Eglises zurück.

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Zweite Amtszeit und Lebensabend

1958:             In Folge der durch den Algerienkrieg (1954-1962) ausgelösten Regierungskrise wird de Gaulle an die Macht zurückgerufen und am 1. Juni zum Ministerpräsident mit Sondervollmachten ernannt. Die von ihm maßgeblich mitgestaltete Verfassung zur Fünften Französischen Republik wird am 28. September mit großer Mehrheit angenommen. Am 21. Dezember wird de Gaulle mit 78% der Stimmen zum französischen Staatspräsidenten gewählt. Er behält dieses Amt bis 1969.

1962:             Der Algerienkrieg endet am 18. März mit dem Abkommen von Evian, die ehemalige Kolonie wird kurz darauf in die Unabhängigkeit entlassen.
Auf seinem Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland Anfang September wird de Gaulle mit vielen Sympathiebekundungen der Bevölkerung empfangen. In Ludwigsburg hält er am 9. September seine Rede an die deutsche Jugend.

1963:             Aus der freundschaftlichen Beziehung mit dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer geht am 22. Januar der deutsch-französische Freundschaftsvertrag (Elysée-Vertrag) hervor.

1969:             Ein Referendum am 27. April, bei dem unter anderem über eine Senatsreform entschieden werden sollte, scheitert. De Gaulle tritt daraufhin noch in der folgenden Nacht zurück.

1970:             Charles de Gaulle stirbt am 9. November im Alter von 79 Jahren in Colombay-les-Deux-Eglises.

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