Charles de Gaulle - Rede 1962

 

Tag 6: Abschied mit Rede an die deutsche Jugend

Stuttgart und Ludwigsburg

 

 

Charles de Gaulle Rede am 9. September 1962 im Ludwigsburger Schlosshof.
direkt zur Rede

Zum Abschluss seines Staatsbesuches begab sich der französische Präsident nach Stuttgart. Im Rahmen einer Militärparade verriet de Gaulle im Gespräch mit Journalisten, dass sein Ururgroßvater Ludwig-Philipp Kolb 1761 in Durlach geboren wurde; éin weiteres Zeichen für das besondere Verhältnis des Franzosen zu Deutschland.

Als wichtigsten Baustein für eine Union zwischen Deutschland und Frankreich betrachtete der französische Staatschef die Jugendlichen beider Länder. Am Nachmittag des 9. September plante er deshalb eine Rede im Hof des Ludwigsburger Schlosses, mit der er sich an die deutsche Jugend richten wollte. Der Ort schien für einen solchen Anlass geeignet, da Ludwigsburg seit 1948 der Sitz des Deutsch-Französischen Instituts (dfi) war, das schon damals mit seiner Arbeit wesentlich zur Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen beitrug und auf beiden Seiten des Rheins Anerkennung fand. Etwa 20.000 jubelnden Jugendlichen versuchte de Gaulle zu verdeutlichen, dass sie als „Kinder eines großen Volkes“ eine zentrale Rolle spielten, für die gelebte Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen, für den Kampf gegen den Kommunismus und für die Bekämpfung der Unterentwicklung in der Welt allgemein.
Insgesamt konnte sich Charles de Gaulle während seiner sechstägigen Deutschlandreise endgültig davon überzeugen, dass eine überragende Mehrheit der Westdeutschen aller Klassen eine deutsch-französische Aussöhnung herbeisehnte und eine Kooperation beider Staaten freudig begrüßte.

 

Verwendete Literatur:

  • Gaulle, Charles de: Discours et messages. Pour l‘effort: août 1962 – décembre 1965, Paris 1970.
  • Kusterer, Hermann: Der Kanzler und der General, Stuttgart 1995.
  • Legoll, Paul: Charles de Gaulle et Konrad Adenauer. La cordiale entente, Paris 2004.
  • Maillard, Pierre: De Gaulle und Deutschland. Der unvollendete Traum, Bonn 1991.

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Stuttgart & Ludwigsburg: Tag 6 im Detail

Charles De Gaulle - Deutschlandreise 1962

Zum Abschluss seiner Deutschlandreise besuchte Charles de Gaulle die Stadt Stuttgart, wo er am Morgen des 9. September landete. Sein erstes Ziel führte ihn zu einem Stützpunkt der französischen Armee in Münsingen,. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Strauß nahm er auf dem örtlichen Truppenübungsplatz eine Militärparade ab. In einem anschließenden Gespräch mit Journalisten verriet der Franzose, dass sein Ururgroßvater Ludwig-Philipp Kolb 1761 in Durlach geboren wurde. Der deutsche Vorfahre de Gaulles trat jedoch später dem Schweizer Regiment des französischen Königs bei, gründete schließlich in Lille eine Familie und nannte sich fortan Louis-Philippe.

Nach einem Besuch beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger (1904-1988) in dessen Amtssitz, der Villa Reitzenstein in Stuttgart, fuhr de Gaulle am Nachmittag weiter Richtung Ludwigsburg.
Als wichtigsten Baustein für eine Union zwischen Deutschland und Frankreich betrachtete der französische Staatschef die Jugendlichen beider Länder. Zum Abschluss seines Deutschlandbesuches wollte er sich deshalb mit einer Rede im Hof des Ludwigsburger Schlosses an die deutsche Jugend richten. Der Ort schien für einen solchen Anlass geeignet, da Ludwigsburg seit 1948 der Sitz des Deutsch-Französischen Instituts (dfi) war, das schon damals mit seiner Arbeit wesentlich zur Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen beitrug und auf beiden Seiten des Rheins Anerkennung fand.
Etwa 20.000 Jugendliche hörten zunächst eine Rede des Bundespräsidenten Heinrich Lübke, der die triumphale Reise de Gaulles durch Deutschland resümierte. Dann sprach der General selbst zu den jungen Zuhörern. Er bezeichnete sie als „Kinder eines großen Volkes“ und betonte, dass sie eine zentrale Rolle spielten, für die gelebte Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen, für den Kampf gegen den Kommunismus und für die Bekämpfung der Unterentwicklung in der Welt allgemein. Wie gehabt erhielt de Gaulle auch für seine letzte Rede breiten Zuspruch und große Beifallsbekundungen, nicht zuletzt wegen des symbolträchtigen Inhalts. Nach Schlussworten von Ministerpräsident Kiesinger flog de Gaulle wieder zurück nach Paris.

Die sechstägige Deutschlandreise hatte ihn nun endgültig davon überzeugen können, dass zahlreiche deutsche Politiker, die deutschen Arbeiter, die Offiziere, die Jugend und allgemein eine überragende Mehrheit der Westdeutschen eine deutsch-französische Aussöhnung herbeisehnten und eine engere Kooperation beider Staaten freudig begrüßten.

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